Dienstag, 14. Oktober 2014

Warten können

Warten können ist eine Kunst.
Bis Müde Kraft haben. Bis Sprachlose
Worte finden.
Bis Mutlose Selbstvertrauen haben.
Bis Streitende sich versöhnen.
Bis Selbstgerechte einsichtig werden.
Bis Irrende umkehren.
Bis Suchende den Weg finden.
Bis Fremde sich vertrauen.
Bis Unglückliche glücklich werden.
Bis Traurige wieder lachen können.
Bis Verzweifelte Hoffnung schöpfen.
Warten können ist eine Kunst.

Udo Hahn




Unerreichbar

Ich sehe dich,
doch du siehst mich nicht.

Ich stehe vor dir,
doch du bemerkst mich nicht.

Ich schaue dich an,
doch du erwiderst meine Blicke nicht.

Ich rede mit dir,
doch du hörst mich nicht.

Ich berühre dich sanft,
doch du spürst es nicht.

Ich sterbe vor Sehnsucht nach dir
und möchte es dir zeigen,
doch du bist so fremd...
...und unerreichbar!

Unbekannt




Montag, 13. Oktober 2014

Danken

Danken heißt sich an das erinnern,
was andere für dich taten.

Es gab Arme,
die dich trugen,
bevor du laufen konntest.

Es gab eine Hand, die dich streichelte,
einen Mund, der dich küsste,
ein Brot, das für dich gebacken wurde.

Der Dankbare zeigt,
dass sein Herz ein gutes Gedächtnis hat.

Menschen waren gut zu mir.
Sie sorgten für mich, als ich klein war.
Sie begleiteten mich, als ich größer wurde.
Sie machten mir Mut, als es mir schlecht ging.
Sie waren froh, weil ich froh war.
Mein Herz vergisst das nicht.

Das Gedächtnis des Herzens heißt Dankbarkeit.

Phil Bosmans




Falsche Behauptung

Du unterstellst mir
hab dich belogen,
ein falsches Spiel mit dir getrieben.

Kennst du mich?
Nein!

Doch du maßt dir an
mich zu kennen.
Und wenn es so wäre
würdest du mir dies nicht unterstellen.

Karin Thießen






Sonntag, 12. Oktober 2014

Wenn die Zeit vergeht

Wenn die Zeit vergeht
werden die Blumen wieder wachsen
die Menschen wieder lachen
Leben werden gelebt
auf Sonnenschein folgt Regen
Leute kommen und gehen
und hinterlassen einander Spuren im Leben
genau wie Du es getan hast
die Welt hat sch verändert,
als Du geboren wurdest
und obwohl sie sich wieder verändert hat, als Du gingst
kann Nichts jemals Deine Spuren verwischen
und der Eindruck,
den Du in den Leben Anderer hinterlassen hast
wird niemals vergessen werden.

Wenn die Zeit vergeht
wird Dein Licht so wie immer scheinen
und Deiner wird sich immerfort erinnert werden.

Unbekannt




Abschied zulassen

Vielleicht bedeutet Freundschaft auch zu lernen,
jemanden gehen zu lassen,
wissen, wann es Abschied nehmen heißt,
nicht zulassen, dass unsere Gefühle dem im Wege stehen,
was am Ende wahrscheinlich besser ist für die,
die wir lieben.

Unbekannt




Samstag, 11. Oktober 2014

Tränen

Tränen... so helfend
Tränen... so heilend
Tränen... so belebend
... wenn man sie hat.

Tränen... ersticken
Tränen... bedrücken
Tränen... besiegen
... wenn man sie nicht weinen kann.

Unbekannt



Neubeginn

Jeder Abschied bedeutet, sich für Neues zu öffnen.
Ich muss loslassen, um für Neues frei zu sein.
Ich muss loslassen, um mich auf Neues einlassen zu können.
Immer wieder, im Leben so häufig nehme ich Abschied, werde wehmütig.

Erst wenn ich eine schöne Zeit, etwas Schönes,
einen geliebten Menschen losgelassen habe, fühle ich mich leichter.
Erst dann erkenne ich, dass loslassen bedeutet,
sich auf etwas Neues freuen zu können.
Loslassen bedeutet Neubeginn.

Petra Timm-Bortz




Freitag, 10. Oktober 2014

Tiefen

Tiefe Freundschaft entsteht meist erst
mit gemeinsam durchlebten Tiefen.



Unbekannt




Verändern

Du bist unzufrieden mit dir.
Dein Beruf füllt dich nicht aus.
Du fühlst dich nicht verstanden.
Ändere, was du kannst.
Dulde, was sich nicht ändern lässt.
Entscheide dich in jeder Situation
für das Richtige.
Heute einen neuen Anfang wagen.
Offen ansprechen, was dich bedrückt.
Einstehen für das, was dir wichtig ist.
Widerstehen gegen das, was du nicht willst.

Udo Hahn




Donnerstag, 9. Oktober 2014

Band des Vertrauens

Manchmal erwächst aus einer zufälligen Begegnung eine Freundschaft,
eine kostbare Verbindung,
die uns vielleicht ein Leben lang begleitet und bereichert.
Ein Glücksfall ist das, wenn eine solche Brücke zwischen zwei Menschen,
zwischen zwei Seelen entsteht.
Freundschaft ist etwas Beständiges und Tiefgehendes.

Im wechselseitigen Geben und Nehmen entsteht ein festes Band des Vertrauens,
das so leicht nichts trennen kann.

Unbekannt




Ein Stückchen Paradies

Es liegt ein Stückchen Paradies
in jedem Lächeln,
in jedem guten Wort,
in jeder freundlichen Geste,
in jeder helfenden Tat.

Es liegt ein Stückchen Paradies
in jedem Herzen...

Phil Bosmans




Mittwoch, 8. Oktober 2014

Was ist Freundschaft

Wann hat man eine Freundschaft,
ist miteinander befreundet?

Was macht eine Freundschaft aus?
Ist es das Vertrauen in den anderen?
Ist es die gegenseitige Ehrlichkeit,
Offenheit dem anderen gegenüber?

Ist es die Freude, dass es den anderen einfach gibt?
Ist es das Wissen, da ist jemand für einen da,
und auch man selber ist für diesen Jemand da?
Ist es das Wissen, da ist jemand,
der einen mag, und den man selber mag?

Ist es die Freude, den anderen zu sehen,
wann immer es sich einrichten lässt? 
 Ist es das Teilen der Freude
über etwas Schönes mit dem anderen?

Ist es das Teilen des Schmerzes
über etwas Trauriges mit dem anderen?
Ist es das Mitteilen können
gegenüber dem anderen?

Ist es das Zuhören können beim anderen?
Ist es einfach das gegenseitige Geben und Nehmen,
ohne nach dem Preis zu fragen,
ohne überhaupt Fragen zu stellen?

Freundschaft, oft glaubt man nur,
sie zu haben, und stellt dann fest,
es ist im Grunde doch nur eine Bekanntschaft.

Ab wann ist unsere Bekanntschaft eine Freundschaft?

Unbekannt




Sinn des Lebens

Ohne das Gefühl, je wirklich glücklich gewesen zu sein, zog ich mich in das stille, dunkle Leben zurück, um den Sinn zu erfahren, was der gerade bestehende Umstand meines Körpers, der sich Leben nennt, ist!

Und egal was mich von meinem Weg abbringt, ich finde immer wieder zurück, in mein dunkles Dasein! In mein eigenes kleines Reich, das ich in mir selbst aufgebaut habe. Nur wenigen gewähre ich etwas Einsicht in diese Welt, nur denen, die mich verstehen. Die anderen werden ausgesperrt.

Doch den Sinn des Lebens habe ich noch nicht gefunden, ich kann ihn nicht mal erahnen. Zuviel Schmerz erfährt man, zuviel Enttäuschung, also kann es keinen wirklich guten Grund geben. Aber eines Tages werde ich erlöst sein, von dem weltlichen Leben, das scheinbar ohne Grund ist. Dann wird das Reich was in mir ist real sein, und nicht mehr nur in meiner Phantasie bestehen.

Es gibt Momente, da scheint doch etwas Hoffnung in dieser sonst so hoffnungslosen Existenz. Und für diese Momente zahlt es sich aus, nicht aufzugeben und weiterhin auf der Erde zu wandeln.

Ist also der Grund des Lebens, immer darauf zu warten, daß sich alles einmal bessert?

Sigrid

Dienstag, 7. Oktober 2014

Zeitverschwendung

Dass es so vielen Menschen schwer fällt,
von einem stehengebliebenen Zug abzuspringen!

Sie hoffen endlos,
dass der Zug sich wieder in Bewegung setzen wird,
anstatt sich selbst in Bewegung zu setzen
- sie verhoffen ihre Zeit.

Hans Kruppa



Vernichtung

Ein alter chinesischer Kaiser hatte vor,
das Land seiner Feinde zu erobern und sie alle zu vernichten.
Später sah man ihn mit seinen Feinden speisen und scherzen.
"Wolltest du nicht deine Feinde vernichten?" fragte man ihn verwundert.

Der Kaiser antwortete:
"Ich habe sie vernichtet.
Ich machte sie zu meinen Freunden."

Unbekannt 




Montag, 6. Oktober 2014

Lächeln

Heute ein Lächeln verschenken.
Gut angelegte Investition
mit geringem Aufwand.
Du wirst sehen, es kommt zu dir zurück.
Ohne Lächeln ist das Leben ärmer.
Jeder kann es sich leisten.
Niemand kann darauf verzichten.
Die wichtigsten Dinge lernt man erst schätzen,
wenn sie fehlen:
Essen und Trinken.
Luft und Licht.
Und ein Lächeln.

Udo Hahn




Kostbare Erinnerung

"Mögest du dankbar bewahren in deinem Herzen die kostbare Erinnerung der guten Dinge in deinem Leben."

Die Zeiten unseres Lebens haben ihren eigenen unverwechselbaren Rhythmus. Es wiegt sich in den Zeiten der Natur von Werden und Vergehen. Es unterliegt den Gezeiten von Ebbe und Flut, von Hell und Dunkel, von tag und Nacht. Frühling, Sommer, Herbst und Winter - Jahreszeiten, die uns aufnehmen, festhalten und wieder freigeben.

Alles Leben unter dem Himmel hat seine Zeit und seine Stunde. Immer wieder leuchtet die Sonne und bläst der Wind. Und der grüne Wald nimmt unsere Schritte auf, und die gute Erde gibt uns Nahrung. Wir staunen über das Geheimnis des Lebens. Segen entfaltet sich über unserem Leben, wenn wir die kostbare Erinnerung der guten Dinge unseres Lebens in unserem Herzen bewahren.

Jeder von uns kann im Rückblick eine Fülle guter Erlebnisse entdecken. Neben all den sicherlich auch schweren Erfahrungen, von denen wir nicht verschont blieben, sind es die hellen Stunden und Tage gewesen, die uns das Leben lebens- und liebenswert machten. Eine der wichtigsten Erinnerungen ist die an Menschen, die uns das Leben ermöglicht haben, die uns mit Liebe und Sorge begleitet haben. Wir werden sie nie vergessen, die Eltern, die Familie, die Zeiten im Kreis von Menschen, die wir und die uns geliebt haben. Kostbare Erinnerungen, die zu unserem Leben gehören.

Peter Helbich




Sonntag, 5. Oktober 2014

Stärke

Nun sitze ich hier, ich weine wie ein kleines Kind.
Übermannt von meinen Gefühlen, Gefühle für Dich.

Der Sehnsucht danach, Dir nah zu sein.
Und der Gewissheit, dass es diese Nähe nicht geben wird.

Wo ist meine Stärke, auf die ich sonst so stolz war?
Wieso lässt sie mich nur jetzt in Stich?

Es wird so schnell gehen, wie es gekommen ist.
Ich weiß es. So war es immer.

Und ich werde wieder stark sein.

Unbekannt




Steine im Weg

Es sieht nicht mühevoll aus wie er dahinfließt.
Nun lege einen großen Stein ins Flussbett.
Der Fluss versucht nicht den Berg zu erklimmen,
nein er fließt mühelos um den Stein herum.

Bei uns Menschen ist das leider anders.
Wenn uns ein Stein in den Weg gelegt wird
hacken wir kräftig darauf rum.

Wäre es nicht einfacher ihn zu betrachten, und dann weiterzugehen?

Unbekannt




Samstag, 4. Oktober 2014

Einfach sein

Einfach sein was ich bin
glücklich oder traurig,
ängstlich oder zornig.

Einfach sein was ich bin,
nicht mehr sein,
nicht weniger sein.

Einfach sein.

Nuith



Zeit bewahren

Wer täglich die Zeit
totzuschlagen versucht,
darf sich nicht wundern,
wenn sie knapp wird.
Wer Zeit verschwendet,
beraubt sich selbst.
Zeit ist ein so kostbares Gut,
dass niemand sie für Geld kaufen kann.
Mit der Zeit lässt sich alles machen,
nur die Zeit kann niemand machen.
Die Zeit läuft,
und wir laufen mit.
Weise ist, wer die Zeit versteht:
als Gabe und Aufgabe.

Udo Hahn





Freitag, 3. Oktober 2014

Unsere Welt braucht Menschen

Trotz der 6 Milliarden:
viel zu wenig Menschen
Unsere Welt braucht Menschen,
deren Ja ein Ja
und deren Nein ein Nein ist.

Unsere Welt braucht Menschen,
die ein offenes Wort riskieren,
wenn anderen ein Unrecht geschieht...

Trotz der 6 Milliarden Menschen
viel zu wenig Menschen.

Unsere Welt braucht Menschen,
damit die Zukunft menschlicher wird.

Wir brauchen Menschen,
die nicht immer sagen,
die anderen sollen was tun.

Lasst uns anfangen,
Menschen zu sein!

Unbekannt



Bild

Das wahre Bild vom Menschen
kann nur die Liebe zeichnen.
Die Liebe sagt:
Kein Mensch darf verurteilt werden,
jeder Mensch ist der Liebe wert.

Phil Bosmans




Donnerstag, 2. Oktober 2014

Wahre Freundschaft

Wahre Freundschaft überwindet Raum und Zeit
und vermittelt uns ein Gefühl von Einheit,
die ewig währt.

Freunde übersehen die Dinge,
die uns an uns selbst stören und schaffen es,
uns trotzdem zu mögen.

Unbekannt



Böses bekämpfen

Wir müssen lernen, das Böse zu bekämpfen,
ohne jemanden Böses zu tun.

Phil Bosmans





Mittwoch, 1. Oktober 2014

Ich danke allen...

Ich danke allen, die meine Träume belächelt haben;
Sie haben meine Phantasie beflügelt.

Ich danke allen, die mich in ihr Schema pressen wollten;
Sie haben mich den Wert der Freiheit gelehrt.

Ich danke allen, die mich belogen haben;
Sie haben mir die Kraft der Wahrheit gezeigt.

Ich danke allen, die nicht an mich geglaubt haben;
Sie haben mir zugemutet, Berge zu versetzen.

Ich danke allen, die mich abgeschrieben haben;
Sie haben meinen Mut geweckt.

Ich danke allen, die mich verlassen haben;
Sie haben mir Raum gegeben für Neues. 

 Ich danke allen, die mich verraten und missbraucht haben;
Sie haben mich wachsam werden lassen.

Ich danke allen, die mich verletzt haben;
Sie haben mich gelehrt, im Schmerz zu wachsen.

Ich danke allen, die meinen Frieden gestört haben;
Sie haben mich stark gemacht, dafür einzutreten.

Vor allem aber danke ich all jenen,
die mich lieben, so wie ich bin;
Sie geben mir die Kraft zum Leben! Danke.

Paul Coelho



Gedanken, Gedichte und Geschichten

Lyrikzeit, das Blog,
in dem nun Gedanken, Gedichte und Geschichten
zu finden sind.

Jeder ist eingeladen zu stöbern
und seinen eigenen Gedanken nachzuhängen...

Nemesis


Dienstag, 30. September 2014

Das Meer

Du bist wie das Meer,
gehörst niemandem bist was du bist,
es ist dir egal ob ich dich liebe du bist was du bist,
tust was du für richtig hältst schwimmst nicht im Strom,
lebst wie es dir gefällt gerätst in Wut wenn man dir Bedingungen stellt.

Ich liebe dich so wie das Meer es ist was es ist,
schert sich nicht um mich und doch kann es nicht anders
ich sehe es und meine Seele fliegt weiß nicht,
wie mir geschieht hab Sehnsucht nach dem Salzgeruch,
nach der Weite der Vielfalt der Farben hab Sehnsucht nach dir.

Doch du bist wie das Meer,
kommst nicht einen Schritt zu mir bist was du bist,
veränderst dich nicht für mich du bist wie das Meer,
du gehörst mir nicht,
meine Liebe ist dir egal.

Doch ich sag es dir ins Gesicht,
auch ich bin wie das Meer ich bin was ich bin,
ich liebe dich liebe dich,
wie das Meer.
Und es ist mir egal, ob es euch interessiert dich und das Meer.

Nuith



Gewalt

Zur Gewalt musst du hassen lernen.
Zur Gewaltlosigkeit musst du lieben lernen.

Phil Bosmans



Mondlicht

Die Liebe bricht herein wie Wetterblitzen,
die Freundschaft kommt wie dämmernd Mondenlicht.
Die Liebe will erwerben und besitzen,
die Freundschaft opfert, doch sie fordert nicht.

Emanuel Geibel





Montag, 29. September 2014

Die Frau aus dem Regenbogen

Es war einmal ein Mann, der in seiner Jugend etwas sehr Seltsames erlebt hatte. Niemals hatte er darüber gesprochen, niemandem davon erzählt. Doch immer hatte er dieses Erlebnis in sich getragen und keinen einzigen Augenblick davon vergessen.

An einem lauen Sommerabend saß dieser Mann mit seinem Sohn unter einem Baum, um sich ein wenig auszuruhen. Und an diesem Abend begann er zu erzählen, gerade als die Sonne sich verabschiedete, und die Nacht sanft und warm den Alten und seinen Sohn in ihre Arme nahm: 'Unter diesem Baum, mein Junge, da bin ich vor vielen, vielen Jahren auch gesessen, als mir damals etwas Unerklärliches und Geheimnisvolles geschah.'

Sein Sohn blickte ihn erstaunt an. Nie war sein Vater ein großer Erzähler gewesen. Doch nun fuhr er fort: 'Es war auch so ein warmer Sommertag wie heute. Ich war noch jung, etwa in deinem alter. Ich suchte ein wenig Ruhe und ging spazieren, als mich plötzlich ein Regen überraschte, einer von diesen kurzen, aber heftigen Sommerregen. Unter diesem Baum fand ich damals Schutz. Und nach dem Regen blieb ich noch ein wenig sitzen, um mich von der Sonne wieder wärmen und trocknen zu lassen.' Er atmete tief durch, schwieg eine Weile und blickte seinem Sohn forschend in die Augen. Dieser erwiderte den Blick seines Vaters offen und aufmerksam und wartete.

'Ja', sprach der Alte weiter, 'dann geschah es. Ich weiß nicht ob ich eingeschlafen war oder was auch immer geschehen sein mag, jedenfalls schreckte ich plötzlich auf. Ein unglaublich schöner Regenbogen überspannte den ganzen Himmel. Doch seltsam: das Ende des Regenbogens schien nur einige Meter von mir entfernt zu sein. Ich war verwirrt und wusste nicht, wie mir geschah. Da trat plötzlich aus diesem Rausch der Farben eine Frau auf mich zu.' Sein Sohn runzelte ein wenig die Stirn. Der Alte nahm dies wohl wahr, redete aber einfach weiter: 'ich weiß, daß das verrückt klingt. Aber glaub mir: Genauso ist es damals geschehen.'

Noch einmal holte er tief Luft. 'Diese Frau war ein Traum. Sie war alles, was sich ein Mann bei einer Frau nur wünschen kann, ich meine nicht nur Äußerlichkeiten. Obwohl ich sie ja nie zuvor gesehen hatte, wusste ich das alles sofort. Wirklich seltsam...'Er schüttelte nachdenklich den Kopf. 'Nun ja, wie dem auch sei', nahm er den Faden wieder auf, 'diese Frau aus dem Regenbogen setzte sich neben mich und sprach mit mir. Um ehrlich zu sein: Ich sprach mit ihr. Sie selbst sagte eigentlich nur drei Sätze. Aber ich erzählte und erzählte und konnte gar nicht aufhören. Vielleicht war es die Aufregung, vielleicht meine Unsicherheit, wer weiß? Ich redete von mir und meinen Träumen, von meinen Sorgen und Nöten, von allem möglichen. Später schämte ich mich, weil ich wie ein Wasserfall geredet hatte. Doch ich glaube, sie hat es verstanden.Wohl niemals in meinem Leben habe ich so viel und so lange geredet wie damals.'

Sein Sohn blickte ihn liebevoll an, fühlte sich seinem Vater auf einmal sehr nahe und hätte ihn am liebsten in die Arme genommen. Doch er tat es nicht, sondern fragte: 'Diese drei Sätze, Vater, erinnerst du dich noch an sie?' 'Aber sicher', nickte sein Vater, 'ich habe sie nie vergessen. Es waren eigenartige Sätze. Einer lautete: 'Es liegt in deiner Hand, du bestimmst dein Leben, auch wenn es nicht immer so scheint.' Nachdenklich blickte er vor sich hin und schwieg. 'Und die anderen Sätze?' fragte sein Sohn weiter. 'Ach ja!' Der Alte schien aus seinem Traum zu erwachen, und es war, als müsse er erst wieder zu sich finden. Doch dann sprach er weiter 'der zweite Satz war: Versuche die Menschen zu lieben, auch wenn sie es dir nicht leicht machen werden. Ich glaube, dass ich diesen Satz einigermaßen verstanden habe. Immer habe ich im Grunde versucht, auch so zu leben, obwohl ich heute fürchte, dass ich viel zu selten geliebt habe.' Wieder lächelte sein Sohn, und dieses mal war er es, der eine Weile nachdenklich vor sich hinblickte.'Der dritte Satz', fuhr sein Vater fort, 'war der seltsamste. Ich habe ihn wohl nie ganz begriffen: Laß es so geschehen, wie es ist, auch wenn du manchmal lieber gegen vieles kämpfen möchtest.'

Er schwieg, und es schien, als habe er die Erzählung beendet. Gedankenverloren folgte der Blick seines Sohnes einem welken Blatt, daß im leichten Sommerwind zur Erde schwebte. Schließlich sagte er, 'Es lohnt sich, über alle drei Sätze nachzudenken und zu reden, Vater. Mir scheint , du hast sie meistens nur mit dir herumgetragen und nur wenig davon verstanden, wenn ich dich und dein Leben so betrachte.'Sein Vater blickte ihm aufmerksam ins Gesicht. 'Da magst du vielleicht recht haben', sagte er traurig und fuhr fort: 'Weißt du, je älter ich wurde, desto mehr habe ich das auch gefühlt. Doch denke ich, dass nicht jeder dieser drei Sätze so stimmen muss. Man kann darüber auch streiten - obwohl ich es manchmal, tief in mir, anders fühle. Und heute ist es für vieles zu spät, mein Sohn.'

'Ich weiß nicht, Vater', sagte der junge Mann. 'Oft ist es nur eine Ausrede, wenn jemand so etwas sagt. Aber wie ging denn die Geschichte mit dieser Frau weiter?' Jetzt war es der Vater, der seinen Sohn liebevoll anblickte und am liebsten in die Arme genommen hätte. Auch er erzählte stattdessen weiter: 'Es war damals der spät geworden über meinem vielen Gerede und bereits dunkel, als ich auf einmal nichts mehr zu reden wusste. Da setzte sich diese Frau zu mir und nahm mich in die Arme.' Der Alte lächelte und seufzte tief. 'Und dann war sie sehr zärtlich zu mir. Ich glaube, sie brachte mir die Liebe bei, wie man das zu nennen pflegt. Nie wieder habe ich solch eine Frau erlebt.'

Du meinst körperliche Liebe?' wollte sein Sohn wissen. Der Vater nickte: 'Ja und nein. Es war mehr als körperliche Liebe, da war so vieles.' Wieder schwieg er eine ganze Weile, bevor er stockend weitererzählte: 'Es ist nicht einfach in Worte zu fassen, was da geschah. Weißt du, es war, als würde ich plötzlich losfliegen, mitten in den Sternenhimmel über uns. Der Mond hob mich empor und nahm mich in sich auf. Und die Sonne gab mir Kraft und zündete etwas in mir an, obwohl sie nicht einmal zu sehen war. Und die Sterne tanzten um mich, und ich flog mitten ins All, ins Herz aller Dinge. Und ich fühlte und erlebte, was ich einfach nicht beschreiben kann. Die Zeit stand still, und dann raste sie wieder an mir vorbei. Mein Körper schien auseinander zu brechen, und doch fühlte ich mich so fest und sicher in mir wie nie zuvor. Manchmal dachte ich, vor lauter Leidenschaft irre zu werden, und doch war es in mir unheimlich still und friedlich.' Er schüttelte den Kopf. 'Ach, es ist einfach unbeschreiblich gewesen, im wahrsten Sinne des Wortes, was diese Frau damals mit mir gemacht hat.'

Vater und Sohn blickten sich lange an. Dann sagte der Sohn: 'Es war ja nicht nur die Frau, die etwas gemacht hat. Du hast ja auch dazu beigetragen, oder nicht?' Sie saßen eine ganze Zeit lang schweigend beieinander. Es war still unter dem Baum und in der Nacht, und ein klarer, wunderschöner Sternehimmel tat sich über ihnen auf. Die beiden Männer hingen ihren Gedanken nach, jeder seinen und doch den gleichen. Irgendwann räusperte sich der Sohn und fragt: 'Und was geschah dann noch weiter, Vater?' Sein Vater hob den Kopf, und wieder schien es, als wäre er eben erst aus einer anderen Welt zurückgekehrt. Schließlich antwortete er: 'Eigentlich nichts Besonderes. Irgendwann in der Nacht bin ich damals zu mir gekommen. Es hat lange gedauert, bis ich mich und meinen Verstand wieder beisammen hatte. Die Frau war verschwunden und ich habe sie bis heute niemals wieder gesehen.'Auf einmal schien er dem Weinen nahe. 'Weißt du, mein Junge, ich habe sie immer gesucht. Hier unter diesem Baum, in jedem Regenbogen und in jeder Frau. Aber ich habe sie nie gefunden. Keine Frau war so wie sie, keine hat mir so zugehört, mir solche Sätze gesagt, mich in solche Leidenschaft versetzt. Und glaub` mir, ich habe viele Frauen gekannt. Auch deine Mutter, die ich wirklich sehr gern habe, auch sie ist nicht so wie diese Frau.' Seine Stimme wurde leiser. 'Die Frau aus dem Regenbogen...', lachte er vor sich hin, 'ich weiß nicht einmal ihren Namen. Und nie habe ich so richtig begriffen, was sie mir sagen wollte. Vielleicht habe ich deshalb mein ganzes Leben lang im Grund nur nach ihr gesucht.'

Sein Sohn blickte ihn voller Wärme an. 'Ich weiß nicht, Vater', sagte er. 'Vielleicht?' Er dachte nach, rang nach Worten und fuhr schließlich fort: 'Ich glaube, sie hat dir etwas Großes geschenkt: Liebe aus Leib und Seele.' Er atmete tief die kühler werdende Nachtluft ein. 'Ja, und du hast dieses Geschenk nicht weitergegeben, sondern dein leben lang immer mehr davon gesucht, überall und jederzeit hast du noch mehr von dieser Liebe gesucht.'Er erhob sich und streckte sich ausgiebig. 'Wie wohl jeder Mensch', sagte er dann weiter, 'wir suchen alle nach der Liebe, in jeder Frau und in jedem Mann, auch ich. Und dabei vergessen wir das Wichtigste.'

Der Vater blickte zu seinem Sohn auf, Tränen in den Augen, fassungslos, und murmelte: 'Du hast sie verstanden.' Und noch einmal: 'Ja, du hast sie verstanden.' Und dann sagte er, noch immer unter dem Baum sitzend und zu seinem Sohn aufblickend: 'Ich glaube, jetzt fange auch ich an zu verstehen. Komm, mein Junge, hilf deinem Vater nun auch noch beim aufstehen.' Der junge Mann half seinem Vater, und schweigend machten sich die beiden auf den Heimweg in dieser kühler werdenden Sommernacht. Auf einmal raschelten in dem Baum die Blätter, und der Mond schien durch die Äste genau dorthin, wo die beiden Männer gesessen waren.Weder Vater noch Sohn sprachen noch einmal über die Frau aus dem Regenbogen - aber etwas war zwischen ihnen geschehen, was unauslöschlich war. Beide hatten sich verändert. Auch die Frau des alten Mannes spürte das. Doch sie erfuhr niemals von dem Erlebnis des alten Mannes und von dem Gespräch zwischen Vater und Sohn.

Als der Sommer zu Neige ging, machte der Alte, wie so oft, einen Spaziergang am Nachmittag. Es war warm und roch nach Herbst, und etwas Eigenartiges lag in der Luft. Später regnete es kurz und heftig, und danach verzauberte ein unheimlich schöner Regenbogen den Himmel. Der junge Mann zeigte ihn seiner Mutter und dacht insgeheim an seinen Vater. Still lächelte er vor sich hin und verstand auf einmal noch mehr von der Suche seines Vaters. Wie viele Farben so fragte er sich in diesem seltsamen Augenblick, wie viele Farben mag wohl die Sehnsucht haben?

Mitten in der Nacht wurde er von seiner Mutter geweckt. Voller Sorge bat sie ihn , nach dem Vater zu suchen, weil er von seinem Spaziergang nicht heimgekehrt war. Sofort machte er sich auf den Weg. Aus irgendeinem Grunde wusste er, wo er seinen Vater finden würde. Und da war er dann auch. Still und friedlich lag er unter seinem Baum, ein glückliches Lächeln in seinem Gesicht. Der Sohn begriff sofort. Er nahm den alten Mann in seine Arme und drückte ihn liebevoll an sich. Und während er bitterlich weinend um seinen toten Vater in den Armen unter diesem Baum saß, rauschte es wieder in den Blättern, und der Mond warf ein mildes Licht auf die beiden. Da huschte ein Lächeln über das tränenüberströmte Gesicht des jungen Mannes, und er flüsterte seinem Vater ins Ohr: 'Du weißt es nun, nicht wahr? Sie hat es dir gesagt.' Er drückte ihn ein letztes Mal an sich und war sicher, dass sein Vater die Frau aus dem Regenbogen noch einmal gesehen hatte.

Heinz Körner





Unterwegs

Der Mensch ist wie ein Schiff.
Er braucht Ankerplätze.
Einen sicheren Hafen.
Aber er muss auch auf große Fahrt gehen.
Mit vollen Segeln unterwegs sein.
Erfahrungen in stürmischer See sammeln.
Und er wird mit Schätzen
der Erinnerung zurückkehren.
Ich wünsche dir,
dass du dankbar
auf dein Leben zurückschauen kannst,
dass du dich erfreust an dem,
was du erreicht hast,
dass du aufmerksam im Heute lebst
und Pläne für morgen schmiedest.

Udo Hahn






Sonntag, 28. September 2014

Jeder Tag

Jeder Tag ist ein guter Tag.
Aus jedem Tag kann ein guter Tag werden.
Du darfst dir deinen Tag nicht aus der Hand nehmen lassen.
Jeder Tag ist einmalig.
Wie er ist, kehrt er nicht wieder.
Lebenszeit. Zeit zum Leben.
Zeit zum Genießen.
Zeit zum Lieben. Zeit zum Glücklichsein.



Udo Hahn




Ars Poetica

Wie jetzt noch ein Gedicht schreiben,
...warum nicht endgültig schweigen
und uns viel nützlicheren Dingen widmen?

Warum die Zweifel vergrößern,
alte Konflikte,
unverhoffte Zärtlichkeiten neu durchleben;

dieses Quentchen Lärm einer Welt hinzufügen,
die mehr ist, die es doch nur zunichte macht?

Wird irgendwas klarer durch solch ein Knäuel?
Niemand braucht es,
Relikt vergangener Herrlichkeiten,
wem hilft es,
welche Wunden heilt es?

Juan Gustavo Cobo-Borda (geb. 1948 in Bogotá)



Samstag, 27. September 2014

In die Zukunft blicken

Wer in die Zukunft blicken will, 
muss die Gegenwart hinter sich lassen.
Er muss denken,
was andere ungedacht lassen.
Und er muss die Möglichkeiten erkennen,
wo andere bequem auf das Unmögliche verweisen.
Dann werden Visionen lebendig.
Denn eine Vision ist nichts anderes,
als angewandte Phantasie ...

Unbekannt




Freitag, 26. September 2014

Für dich

Was ich dir wünsche:
Einen klaren Verstand bei allem,
was du sagst.
Ein offenes Ohr für die Sorgen anderer.
Wache Augen für die Not deines Nächsten.
Ein Lächeln im Gesicht
zur Ermutigung Verzweifelter.
Ein kraftvolles Wort
zur Verteidigung Angegriffener.
Eine freie Hand zum Zupacken,
wo sie gebraucht wird.
Ich wünsche dir,
dass etwas bleibt von dem,
was du tust,
dass ein Gedanke von dir
bei anderen nachwirkt,
dass dein Lächeln andere ansteckt,
dass ein tröstendes Wort von dir
andere ermutigt,
dass deine Hoffnung andere anspornt.



Udo Hahn

Abschied von einem Freund

Es ist wahr, mein Freund, Abschied war da,
unsre Lieder leis nun ausgesungen.
In meiner Seele wohntest Du stets ganz nah,
schwebtest dicht bei mir, ganz ungezwungen.

Du bliebst echt, nur Du mein Freund,
liebtest meinen Sternenfimmel,
gemeinsam beschlich uns manches Leid,
jedoch auch viele warme "siebte Himmel".

Jetzt sei ganz ehrlich, altes Haus,
was ist uns Zweien denn geblieben,
Gemeinsamkeiten gingen aus
- lauwarme Erinnerungen von weit drüben.

Aus der guten alten Zeit,
nein, mein Freund, lass Punkt uns setzen,
unsre Nähe ging zu weit,
als nur Vergangnem nachzuhetzen.

Manchmal fliegt mein Blick zurück,
endlos warm wird dann das Herz.
Und mit Tränenmeer im Blick
wütet blinder Abschiedsschmerz.

Jeder Schwur, ich weiß schon,
Du, prunkt hier entbehrlich, überzählig.
Auch in tausend Jahren wär´n im
Nu unsere Seelen liebesfähig.

Lass mich jetzt noch Dank Dir sagen,
ja goldnes "Danke" ruf ich Dir.
Während all der Zeit im schweren Zagen,
Achtung hatt´ ich nur vor Dir.

Wohin fliegt Dein Lebenswagen,
denkst auch Du manchmal zurück?
Lass Dich von Liebeswolken tragen,
hallo Du, ich wünsch´ Dir Glück ! 

Unbekannt