Freitag, 5. September 2014

Verweht

In einem Dorf lebte eine Frau, deren böse Zunge durch üble Nachrede und falsche Gerüchte immer wieder Streit und Unfrieden über ihre Mitmenschen brachte.
Als eine Nachbarin sie zur Rede stellte, die sie mit einer besonders gemeinen Lüge verletzt hatte, sagte die Verleumderin: "Ich werde im Dorf bekannt machen, dass es nicht stimmt. Dann ist alles wieder gut."-

"Nicht alles", widersprach die Gekränkte, "etwas wird hängenbleiben. Es ist wie mit den Federn."-
"Mit was für Federn?"-
"Geh nach Hause, hol ein Kopfkissen, komm zu mir zurück und verstreue unterwegs alle Federn", sagte die Nachbarin.

Da die Frau ein schlechtes Gewissen hatte, kam sie diesem, ihr unverständlichen Befehl nach und war nach kurzer Zeit zurück.
"Und was nun?", fragte sie.-
"Jetzt sammelst du alle Federn wieder ein."-
"Das ist unmöglich! Ich streute sie wahllos aus. Der Wind hat sie längst verweht", wehrte sie sich.

Die Nachbarin sagte: "So ist es auch mit übler Nachrede und bösen Gerüchten. Nie können alle "Federn" wieder eingesammelt werden. Nie werden alle Worte vergessen. Etwas bleibt hängen."

Barbara Hug




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